2010
Klosterfestspiele Weingarten
 

„Kabale und Liebe”



von Friedrich Schiller (1782)

Regie: Klaus Wagner


Der alte Schiller aus dem württembergischen Marbach hat sich 1782 eine echte Räuberpistole ausgedacht, um die Liebe – die bis heute Lebenssehnsucht der Menschen geblieben ist – kaputt zu machen. Damals ging es um Standesdünkel. Heute geht es um Selbstzweifel und um zerbröselnde Gefühle, die diese Sehnsucht von Innen zerstören.


Wie kann die Inszenierung des alten Stückes in unserer heutigen Zeit gelingen? Regisseur Klaus Wagner ist überzeugt: „Theater – besonders unter freiem Himmel – das ist Überraschung pur!“ Im Hof mit der Linde auf dem Martinsberg muss ein klassisches Stück wie Friedrich Schillers „Kabale und Liebe“ ein unerwartetes Gesicht bekommen.


Für Überraschungen hat Wagner bei den Klosterfestspielen schon reichlich gesorgt: In seinem „Sommernachtstraum“ bevölkerten Geistwesen eine Hängebrücke über den Köpfen der Zuschauer. Die Seele der „Jungfrau von Orleans“ stieg in Helm und Brustpanzer dem Himmel zu, während ihren Körper die Fahnen Frankreichs bedeckten. Vor der barocken Akademie türmte sich in „Nathan der Weise“ ein Sandberg, der von einer Palme gekrönt war. Mephisto reckte seine Faust aus dem Laub und stieg schließlich herauf um seinen „Faust“ zu erobern. Und letztes Jahr im „Zerbrochnen Krug“ schneite es mitten im August in die winterliche Landschaft des Klosterhofes.


Was sich Klaus Wagner und die Weingartener wohl in diesem Jahr ausgedacht haben, um „Kabale und“ – vor allem – „Liebe“ erlebbar zu machen? Vielleicht hat sich ja diesmal die Publikumstribüne zweigeteilt und rückt mit ihren Reihen nahe ans Geschehen heran und die Spielflächen gleiten auf Schienen herein, um die Geschichte reibungslos erzählen zu können. Sicher ist: Etwas über die Liebe lernen kann man besser ohne das andere Geschlecht! Und diesem dabei gegenüberzusitzen, ist eine einmalige Chance. Vielleicht sollte sich also auch das geschätzte Publikum zweiteilen – nach Geschlechtern, getrennt sitzend auf „Luise“ und „Ferdinand“. Finden Sie nicht?




Es ist, sagte Heine – der Spötter:

eine alte Geschichte

und doch bleibt sie ewig neu

und wem sie just passieret

dem bricht das Herz entzwei!