Zum Ende überrascht Annette Schavan

Foto: Stefan M. Blank
Das hat man im oberschwäbischen Kulturleben nicht alle Tage: Zur Klosterfestspiel-Derniere von „Kabale und Liebe“ am Freitag, 27. August, gab sich keine geringere als Bundesbildungsministerin Annette Schavan die Ehre. Und auch „Schnüffler, Sex und schöne Frauen“ konnten mit einem prominenten Gast aufwarten. Der englische Autor Tony Dunham kam, um sich die erste Freilichtinszenierung seines Stücks anzuschauen. Zufriedene Gesichter bei den Veranstaltern, auch wenn sich angesichts des unbeständigen Sommers etwas weniger Gäste als sonst auf das Abenteuer Freilicht einließen.
Der Dernierentag hatte es für die Klosterfestspiele in sich. Bis zuletzt hoffte Geschäftsführer Rainer Beck, die letzte Aufführung von „Kabale und Liebe“ wenigstens im Freien beginnen zu können. Pünktlich zum Spielbeginn kam der Regen, ein hastiger Umzug in den Regenspielort stand an. Mitten in dieses Chaos platzte die Nachricht: Die Bundesbildungsministerin wurde im Publikum gesichtet. Zwar wusste man bei der Stadt, dass die 19-jährige Marielle Schavan, die Nichte der Ministerin, als Statistin an der diesjährigen Produktion mitwirkte. Dass sie aber zur Abschlussvorstellung ihre prominente Tante nach Weingarten eingeladen hatte, blieb bis zuletzt verborgen. Nach einem kurzen Gruß durch den zufällig anwesenden städtischen Verwaltungsdezernenten Günter Staud ging dann alles seinen gewohnten Gang. Einmal mehr erlebte das Publikum Schillers Klassiker „Kabale und Liebe“ in einer dichten, fürs heutige Publikum unglaublich lebensnah und bewegend auf die Bühne gebrachten Inszenierung. „Das Stück fand eine überaus positive Resonanz in der oberschwäbischen Kulturszene und auch bei Ministerin Schavan“, freut sich Beck.
Positiv fällt das Fazit der Veranstalter auch für den Spielort Schlössle aus. Zwar habe sich nicht jeder gleich leicht mit dem mit Klischees und Überzeichnungen arbeitenden Genre der Krimi-Persiflage getan, aber die Produktion von ‘Schnüffler, Sex und schöne Frauen’ von Regisseur Johannes Soppa und seinem kleinen Ensemble habe beim Publikum und sogar bei Autor Tony Dunham selbst große Beachtung gefunden, so Beck. “Dass Bernd Kohlhepp im Rahmenprogramm ein Zugpferd sein würde, war uns von Anfang an klar”, resümiert der Geschäftsführer weiter. So sei es auch nicht weiter verwunderlich, dass bei beiden Aufführungen am Schlössle Zusatzstühle herangeschafft werden mussten.
Der Wermutstropfen der Spielzeit kam mit dem Regen. Zwei von 12 Mal mussten die “Schnüffler” in die „Linse“ umziehen und „Kabale und Liebe“ traf der Regen gar 4 von 12 Mal. Und auch sonst sei die unbeständige Witterung sowohl zum Beginn des Kartenvorverkaufs als auch während der Spielzeit selbst wahrlich keine Werbung für Theatervergnügen unter oberschwäbischem Himmel gewesen, bedauert Beck.
Mit rund 6.500 Besuchern, dies sind etwa 500 weniger als im vergangenen Jahr, zeigt sich Festspiel-Leiter Rainer Beck dennoch zufrieden mit der diesjährigen Spielzeit. “Wir hatten hervorragende Inszenierungen, begeisterte Zuschauer und auch organisatorisch hat alles geklappt – damit ist dieses Festspieljahr trotz Regens ein gelungenes Jahr für die Klosterfestspiele”. Und: Der 2008 gegründete “Verein der Freunde und Förderer der Klosterfestspiele Weingarten e.V.” hat in diesem Jahr einen unglaublichen Zulauf erfahren. Dies freut die Verantwortlichen besonders, leistet der aktive Förderverein unter Vorsitz von Prof. Reinhold Schmid und Dr. Rainer Öhlschläger doch auch wertvolle Unterstützung bei der Finanzierung und Organisation und ist zudem ein Gradmesser für die breite Akzeptanz, die die Festspiele in Weingarten und in der Region genießen.
Übrigens: Der „Verein der Freunde und Förderer der Klosterfestspiele Weingarten“ unterstützt die Klosterfestspiele beim Einwerben von Sponsoren- und Spendengeldern sowie durch ehrenamtliche Arbeit im Festspielbetrieb. Die Mitgliedschaft ist kostenfrei. Beitrittsformulare gibt es in der Infothek im Rathaus, in der Tourist-Info am Münsterplatz oder einfach hier anfordern.
