2011
Klosterfestspiele Weingarten
 

Eine bewegte und bewegende Inszenierung


Die Kabale, die höfische Intrige, nimmt unweigerlich ihren Lauf und zerstört das junge Glück zwischen Präsidenten-Sohn Ferdinand und der bürgerlichen Musikanten-Tochter Luise. Ein großes Drama, dessen Inszenierung das Premierenpublikum der Klosterfestspiele Weingarten begeisterte: Am Spielort Kloster wurde am Mittwoch, 4. August, Schillers „Kabale und Liebe“ zum ersten Mal aufgeführt. Bis Ende August wird das Stück insgesamt zwölf Mal gezeigt – es gibt noch Karten.


Auch in diesem Jahr erweist sich Regisseur Klaus Wagner als Glücksgriff und Garant für eine bewegte und bewegende Inszenierung am Spielort Kloster im Akademiehof, umgeben von alten Klostermauern und mit Blick auf die Kuppel der Basilika. Klassische Inszenierungen der großen Stücke der Weltliteratur drängen sich bei dieser Kulisse auf – und Wagner scheint dafür das richtige Gespür zu haben. Mit seiner Inszenierung von „Kabale und Liebe“ gelingt es ihm, den Klassiker für die heutige Zeit und das heutige Publikum spürbar und nachvollziehbar zu machen – ohne das Stück zu verbiegen. Als Glücksgriff erweist sich dieses Jahr auch die Tontechnik, Raummikrofone übertragen auch noch das leiseste Flüstern gut hörbar in die obersten Ränge.


Im barocken Kostüm, mit Perücken, Gehrock und Schönheitsfleck, lässt Regisseur Wagner die Schauspieler auf eine fast schon karg eingerichtete Bühne treten. Doch genau diese Bühne zwischen den beiden Zuschauertribünen hat es in sich: Einzelne Elemente lassen sich auf Schienen verschieben, werden zum Sinnbild für den unsicheren Boden, auf dem sich die Figuren mal mit festem Schritt, mal schwankend bewegen. Nichts scheint da mehr sicher zu sein, erst recht die reine Liebe zwischen Ferdinand und Luise nicht.


Die zunächst so sanfte und zarte Luise, meisterhaft gespielt von Hanna Binder, erweist sich dabei als starke junge Frau, die in ihrer Liebe zu Ferdinand aufgeht, an sie glaubt – aber auch die Ausweglosigkeit erkennt, die die höfischen Machenschaften mit sich bringen. So in ihrer Szene mit Lady Milford, die vom Präsidenten als Gattin Ferdinands ausgewählt wurde: „Nehmen Sie ihn denn hin, Milady! – Freiwillig tret’ ich Ihnen ab den Mann, den man mit Haken der Hölle von meinem blutende Herzen riß.“


An Luises Seite ebenso eindrucksvoll und überzeugend Alexander Gier als Ferdinand, mal zärtlich-liebevoll, mal aufbrausend und tobend und am Ende den Tod bringend. Als Ferdinands Vater tritt Michael Rast auf, der schon als Faust vor zwei Jahren das Publikum begeisterte – und nun als machtbewusster und skrupelloser Präsident die Fäden der Intrige spinnt. Als große Strippenzieherin, mal launisch und aufbrausend, mal gekränkt, mal voller Sehnsucht nach Liebe hat Undine Schmiedl ihren großartigen Auftritt als Lady Milford. Doch auch ihre Liebe zu Ferdinand muss unerfüllt bleiben, wie sie scharfsichtig erkennt: „Wir können miteinander nicht glücklich werden. Wir müssen doch der Voreiligkeit Ihres Vaters zum Opfer werden. Nimmermehr werd’ ich das Herz eines Mannes haben, der mir seine Hand nur gezwungen gab.“


Wer diese und die anderen Schauspieler – wie etwa Uli Boettcher als buckelnden Hofmarschall – sehen und erleben will, kann den Vorverkauf oder die Abendkasse nutzen: Für Freitag, 6. August, gibt es noch wenige Karten der Kategorie I. Auch für 25. und 26. August gibt es noch Karten in den Kategorien I und II, die auch für den Regenspielort gültig sind, an allen restlichen Spieltagen sind in diesen Kategorien nur noch Restkarten zu haben. An allen Spieltagen (6. und 7. August, 10. bis 13. August, 24. bis 27. August) gibt es noch Karten der Kategorie III. Der Preis für Karten der Kategorie III wird zurückerstattet, falls wegen Regen eine Vorstellung vor Ablauf von 45 Minuten abgebrochen und in den Regenspielort verlegt werden sollte.