2010
Klosterfestspiele Weingarten
 

Gelungene Premiere im Wetterglück

Großes Wetterglück bei den Klosterfestspielen Weingarten – und eine gelungene Premiere: Am Mittwoch wurde Tony Dunhams Detektiv-Komödie „Schnüffler, Sex und schöne Frauen“ zum ersten Mal gespielt. Die Premiere war ausverkauft, das Publikum begeistert und auch das Wetter spielte mit: Nach viel Regen riss die Wolkendecke abends rechtzeitig auf und das Freilichttheater konnte ohne einen Tropfen über die Bühne am Spielort Schlössle gehen.


Damit konnten die Klosterfestspiele eine Premiere wie aus dem Bilderbuch feiern: Das Wetter passte und auch die schauspielerische Leistung unter der Regie von Johannes Soppa war mehr als überzeugend. Eddie Gromer gab dem Schnüffler Phil Dick genau die richtige Note – mit rauchig-versoffener Stimme, einem Schlapphut, der vor langer Zeit wohl mal bessere Tage gesehen hatte, und der richtigen Nase für die faulen Machenschaften, die ihm tagaus, tagein begegnen.


Dass da neben seinen ungewaschenen Socken noch mehr stinkt, wird dem kaltschnäuzigen Phil Dick spätestens dann klar, als eine schöne und vor allem überaus kurvenreiche Frau sein heruntergekommenes Büro betritt und sich lasziv zwischen den Flaschen fürs Hochprozentige auf seinem Schreibtisch räkelt. Anne Weidemann als „Die schöne Frau“ lässt keine Chance aus, die Hormone nicht nur des Schnüfflers in Wallung zu bringen. Unvergleichlich, wenn sie mit unschuldig-berechnendem Augenaufschlag flötet: „Finden Sie mich wirklich schön?“


Spätestens nach diesem Auftritt ist klar: Die flotte Detektiv-Komödie „Schnüffler, Sex und schöne Frauen“ nimmt die Zuschauer mit in die Welt der hartgesottenen Privatdetektive mit Vorbildern wie Philip Marlowe, einst gespielt vom legendären Humphrey Bogart. Nur dass das Stück das Genre der Detektivstory nicht ganz so ernst nimmt, ganz im Gegenteil, es wird zu einer bissig-scharfsinnigen Krimi-Persiflage: Wo Philip Marlowe zynisch und illusionslos in die Welt blickt, sieht der Schnüffler Phil Dick mit seinem von den vielen Frühstücksdrinks vernebelten Blick nicht viel mehr als den Rauch seiner Zigaretten. Jedenfalls blickt er nie ganz durch, was ihm aber wenig ausmacht. Die Welt ist sowieso ungerecht und was ist schon die Wahrheit? „Die Wahrheit ist relativ“, stellt Phil Dick, der einen ausgeprägten Sinn für tiefsinnige Sprüche hat, nicht nur einmal fest.


In gleich drei Rollen überzeugt Jürgen M. Brandtner, den viele Klosterfestspiel-Besucher noch aus dem letztjährigen Stück „Ritter Unkenstein“ kennen dürften. Seinen ersten Auftritt hat Brandtner als fieser Police-Lieutenant O’Balham, der gerne zu handfesten Ermittlungsmethoden greift. Wenig später schlüpft er dann in den Bademantel des Mr. G. Grossman, auch als „Dicker Mann“ bekannt, dem man den Hang zum großen, schmutzigen Geschäft sofort abkauft. Als „Dicker Mann“ und in der dritten Rolle als windiger Geschäftsmann Mr. Syracus, unterwegs in „internationalen Angelegenheiten“, beweist Brandtner sein großes Talent: Einfach köstlich, wenn er aus dem Off die schnellen Dialoge seiner drei Figuren spricht und mühelos zwischen jiddischer Sprachmelodie und französischem Akzent wechselt.


Karten für „Schnüffler, Sex und schöne Frauen“ gibt es noch für die Vorstellungen am 31. Juli, 1. August und vom 18. bis 21. August. Bei schlechtem Wetter findet die Aufführung in der Linse statt. Am Spielort Kloster wird in diesem Jahr „Kabale und Liebe“ von Friedrich Schiller unter der Regie von Klaus Wagner aufgeführt. Premiere ist am Mittwoch, 4. August, es folgen bis 27. August elf weitere Vorstellungen.