“Krug”-Premiere mit Schnee und viel Applaus
Die Klosterfestspiele Weingarten machen das Unmögliche möglich: Es schneit im August. Mit Schneeflocken und einem winterlichen Bühnenbild begrüßte Regisseur Klaus Wagner am Mittwoch, 5. August, die Premierengäste an der Spielstätte im Akademiehof des Klosters Weingarten zu Heinrich von Kleists “Der zerbrochne Krug”. Denn in dem Stück, in dem sich scheinbar alles um einen zerbrochnen Krug dreht, geht es nicht ohne Schnee: Am Ende sind es die Spuren im Schnee, die den Täter überführen. Wie bereits bei Lessings “Nathan” übernimmt der Regisseur auch in diesem Jahr die Hauptrolle. Klaus Wagner überzeugt als glatzköpfiger, listiger und hintertriebener Dorfrichter Adam, dessen falsches Spiel allerdings nach der Aussage von Frau Brigitte (“Tatort”-Schauspielerin ChrisTine Urspruch) auffliegt: Sie entdeckt die Spuren und ihre Aussage gehört zu den fesselndsten Szenen des Abends: “Was find’ ich euch für eine Spur im Schnee? Rechts fein und scharf und nett gekantet immer, ein ordentlicher Menschenfuß, und links unförmig grobhin eingetölpelt ein ungeheurer klotz’ger Pferdefuß.” Dass gerade ChrisTine Urspruch, im Münsteraner “Tatort” die Gerichtsmedizinerin Silke Haller, genannt “Alberich”, hier die Rolle der entscheidenden Zeugin spielt und zur Aufklärung des verworrenen Gerichtsfalls beiträgt, passt natürlich besonders gut und ist ein Glücksfall für die Inzenierung. Mit viel Spielfreude und Lust an der Kleistschen Sprache lieferten die Schauspieler um Wagner, der sich selbst gerne als “Regisseur im Unruhestand” bezeichnet, einen beeindruckenden und fesselnden Theaterabend auf der Bühne der Klosterfestspiele Weingarten. Weitere Vorstellungen von Kleists “Der zerbrochne Krug” bis 8. August, 11. bis 15. August und 25. bis 28. August. Karten unter Tel. 0751/5681-5990.
